Berufschancen in der Region

Der "Chancenatlas" liefert einen Überblick über die Situation des lokalen Arbeitsmarktes und erlaubt Prognosen zu seiner Entwicklung in der nahen Zukunft. Das ist besonders für junge Menschen wichtig, die demnächst einen Ausbildungsplatz suchen und die vor der Frage stehen, ob sie in der Region bleiben werden oder sich anderswo um den Einstieg ins Berufsleben bemühen. Kay Senius, Chef der Landesarbeitsagentur Sachsen-Anhalt-Thüringen erläutert, welche Erkenntnisse der "Chancenatlas" dazu ans Licht gebracht hat.


Herr Senius, was ist der "Chancenatlas" und welches Interesse liegt ihm zugrunde?
Es handelt sich dabei um eine Untersuchung, die wir als Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit erstellt haben. Darin haben wir die Situation der Arbeitsmärkte beider Länder unter die Lupe genommen und analysiert, welche Ausbildungsmöglichkeiten es in der Region gibt, welche Berufe besonders zukunftsträchtig sind und wo in absehbarer Zeit ein Mangel an Fachkräften herrschen wird.

Welche Entwicklungen beobachten Sie zurzeit auf dem hiesigen Arbeitsmarkt?
Auf Halle trifft zu, was für viele Regionen, vor allem Ostdeutschlands, gilt: Durch sinkende Geburtenzahlen und zugleich eine steigende Lebenserwartung verändert sich die Alterspyramide ganz grundlegend. Zudem wandert noch immer eine nicht unerhebliche Zahl gut ausgebildeter Fachkräfte in andere Regionen ab. Doch das Problem beginnt schon früher, denn zu viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. An diesen Stellen werden sich in einigen Jahren erhebliche personelle Lücken auftun. Bei manchen Berufen sind die Folgen dieser dramatischen Entwicklung jedoch schon jetzt spürbar.

Was bedeutet diese Nachricht für junge Menschen, die in der kommenden Zeit auf den Markt drängen?
Besonders dann, wenn wir die Altersstruktur in den zehn stärksten Berufsfeldern betrachten, wird deutlich, vor welcher Herausforderung einerseits die betroffenen Arbeitgeber in Zukunft stehen. Andererseits ergeben sich dadurch erhebliche Chancen für Nachwuchskräfte. So ist beispielweise jeder fünfte Techniker und jede fünfte Bürofachfachkraft im Bezirk der Arbeitsagentur Halle bereits über 55 Jahre alt. Diese Fachleute müssen in etwa zehn Jahren durch Jüngere ersetzt werden. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage wird sich in den kommenden Jahren zugunsten der jungen Generation öffnen.
 
Welche Berufe haben im Raum Halle die größten Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt?
Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass besonders gute Chancen für eine längerfristige Beschäftigung vor allem in den chemischen Berufen, als Lager- und Transportarbeiter, im Nachrichtenverkehr, in den Gesundheits- und Pflegeberufen und als Warenkaufleute bestehen.

Wenn wir den Blick auf die Energiewirtschaft lenken – welchen Berufsfeldern attestieren Sie dort die besten Perspektiven?
Der Chancenatlas zeigt, dass dort eine ganze Reihe von Berufen besonders gefragt sind: Darunter Elektroniker/in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, Anlagemechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Informatikkaufmanns/frau, Elektroniker/in Fachrichtung Informations- und Telekommunikationstechnik und Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik. Innerhalb der letzten Jahre ist die Zahl der Beschäftigten im Kernbereich der Energiebranche etwa um fünf Prozent gestiegen. Vor allem im Bereich der Elektrizitäts- und Gasversorgung ist der Bedarf an Fachkräften gewachsen. Die Energiebranche ist zudem ein Wirtschaftsbereich, der häufig dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse bietet. Zudem handelt es sich um einen sehr dynamischen Bereich, der gerade vor dem Hintergrund der Energiewende noch viele Veränderungen erwarten lässt. So sind neben die klassischen Berufsfelder wie der Elektrotechnik nun auch neue Fachrichtungen wie etwa Windenergietechnik oder Solartechnik getreten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zum Chancenatlas gelangen Sie hier.

 

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