Unterricht mit Hand und Fuß

Interview mit Frau Professor Elke Hartmann zum Gemeinschaftsprojekt „Energiewerkstatt“
Viele Kurse, eine Marke: Die „Energiewerkstatt“ präsentiert Schülern und Kindern ein breites Angebot an praxisorientiertem Technikunterricht. Warum diese Form des Lernens unverzichtbar ist, erklärt Frau Elke Hartmann. Die emeritierte Professorin für Technikdidaktik und Umwelterziehung am Zentrum für Ingenieurwissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und zugleich Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates des Technischen Halloren- und Salinemuseums e.V. sagt: „Die Schulen sind heute viel zu verkopft. Technische Interessen müssen viel früher geweckt und dann kontinuierlich gefördert werden!“


Frau Prof. Hartmann, es wird immer gesagt, man solle die Kinder bestenfalls schon im Kindergarten für Technik begeistern. Ist das nicht viel zu früh?
Es ist nie zu früh, Kinder für eine Sache zu begeistern. Das altbekannte Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ trifft den Kern schon ganz gut. Die Forschung ist sich einig: Der Mensch entwickelt seine Kerninteressen weitestgehend nur bis zum elften Lebensjahr. Was bis dahin an technischen Neigungen nicht gefördert worden ist, kommt später nur noch selten zu Tage. Leider bekommen Kinder und Jugendliche aber von ihren Eltern kaum Anregungen, sich mit Technik auseinanderzusetzen. Wissenschaftliche Studien belegen das. Diese Lücke möchte die Energiewerkstatt schließen.

Was genau ist die Energiewerkstatt?
Die Energiewerkstatt ist ein Gemeinschaftsprojekt von regionalen Unternehmen der Energiebranche. Jedes der Unternehmen bietet für Kinder und Schüler praxisnahe Kurse an. Diese wurden nun unter dem Namen „Energiewerkstatt“ gebündelt. Das Ergebnis ist eine reiche Auswahl außerschulischer Angebote. Das müssen die Schulen nur wissen und nutzen.

Brauchen die Schulen solche außerschulischen Bildungsangebote denn überhaupt, um Interesse für die MINT-Fächer zu wecken?
Definitiv! Die Schulen sind heute alle sehr verkopft. Die Praxis kommt viel zu kurz. Daher interessieren sich die jungen Leute auch nicht mehr für die konstruktive Seite der Technik. Geräte werden nicht mehr hinterfragt. Sie sind eher eine Art Black Box. Die Kurse der Energiewerkstatt wollen das ändern. Im Mittelpunkt steht das „Sachen machen“. Der Lehrstoff wird mittels praktischen Tuns erklärt. Das macht ihn verständlicher. Die Jugendlichen erkennen Bezüge zwischen dem theoretischen Lernstoff und ihrem realen Leben. Das kann sich positiv auf die Lernmotivation auswirken.

Was können die Kursteilnehmer konkret von den Angeboten erwarten?
Es geht immer um Technik und Energie. Die Kinder und Schüler können zum Beispiel Brückenmodelle bauen oder mit Hilfe eines Experimentierkoffers den Stromkreis erforschen. Ziel der Kurse ist meist ein selbst gefertigtes Produkt. Dadurch werden so wichtige „Tugenden“ wie Ausdauer, Genauigkeit, Zielstrebigkeit, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit gestärkt. Aber auch die Kreativität und Selbständigkeit werden gefördert und das Selbstwertgefühl wächst.
Die Kursangebote für Schüler der Sekundarstufe I und II liefern zudem wertvolle Einblicke in potentielle Berufsfelder, da die Kurse in den Unternehmen selbst stattfinden. So ein unmittelbares Lernen in beruflichen Kontexten erleichtert die Berufsentscheidung.

An wen richten sich die Kurse der Energiewerkstatt?
Es gibt Angebote für alle Altersgruppen vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe II. Das ist uns wichtig. Die Auseinandersetzung mit Technik muss über den gesamten Bildungsweg gefördert werden. Technische Interessen bilden sich nicht durch eine Einmalbegegnung heraus. Und auch technische Begabungen lassen sich nicht so schnell erkennen.

Warum verbünden sich SalineTechnikum und Energiewerkstatt?
Viele Unternehmen der Region unterstützen das SalineTechnikum in seinem Vorhaben, Kinder an außerschulischen Lernorten für Technik zu begeistern. Da liegt es nahe, dass wir uns bei diesem Projekt als Netzwerker einbringen. Wir fungieren als zentraler Ansprechpartner für alle Kurse. Der Vorteil für die Schulen liegt auf der Hand: Sie müssen nicht mehr zig Unternehmen kontaktieren, um ein Praxisangebot für ihr Unterrichtsthema zu finden. Umgekehrt müssen auch die Unternehmen den aufwendigen Kontakt zu den Schulen nicht mehr selbst suchen. So ergibt sich neudeutsch gesprochen für beide eine win-win-Situation.
Außerdem verfügt das SalineTechnikum mit der Energiewerkstatt über ein ständiges Bildungsangebot, das dem eigenen Anspruch stets gerecht wird. Und nicht zuletzt gewinnt das SalineTechnikum dank der Energiewerkstatt an Bekanntheit. Das ist wichtig, wenn man Schulen, Kinder und Eltern erreichen will.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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