Vernetzt lernen und lehren: Am Elisabeth-Gymnasium Halle steht das Fach "MINT" auf dem Stundenplan

elisabeth-gymn mint 2Seit dem Jahr 2012/13 läuft am Elisabeth-Gymnasium Halle (ELG) ein besonderes didaktisches Experiment. Neben Mathematik, Physik, Astronomie, Chemie und Biologie steht Schülern der 9. Klasse mit drei Stunden pro Woche auch das Fach MINT (Mathematik-Informatik-Naturwissenschaft-Technik) zur Auswahl. "Vernetzter naturwissenschaftlicher Unterricht" (VNU) heißt das Angebot, bei dem so manches anders ist als im gewohnten Fachunterricht.

Nach dem Prinzip des forschenden Lernens nähern sich die Schülerinnen und Schüler einem gesetzten Thema möglichst selbstständig und in Form von Projekten. Zu einem thematischen Impuls erschließen sie sich allein oder in Arbeitsgruppen wissenschaftliche Fragestellungen, zu denen sie recherchieren, Experimente durchführen und die Ergebnisse präsentieren. So bauten sie etwa das Modell eines Windrades nach, stellten Neonfarben her oder ermittelten, wie viel Wasser zur Herstellung eines typischen Hamburgers verbraucht wird. Dabei geht es oft nicht nur um komplexe Fragestellungen. Die Schüler erlernen auch grundlegende Techniken wie etwa das Löten. Neben inhaltlichen Erkenntnissen spielen auch methodische Kompetenzen eine große Rolle: Die Jugendlichen erarbeiten Lernstationen, an denen ihre Mitschüler Experimente durchführen oder bereiten ein Thema so auf, dass es auch für Grundschüler nachvollziehbar und spannend ist.

Der VNU wird nach dem Prinzip des "Teamteaching" immer von zwei Lehrern unterschiedlicher Fachrichtung unterrichtet. Auch für sie birgt das Unterrichtsmodell zahlreiche neue Erfahrungen, wie Martin Talanow, Mathematik- und Physiklehrer am ELG, berichtet. "Wir haben hier eine andere Rolle als im konventionellen Fachunterricht und sind nicht bloß die Bestimmer, die vor der Klasse dozieren, sondern verstehen uns als Begleiter. Dadurch lernen wir unsere Schüler hier noch einmal ganz anders kennen. Und weil wir stets zu zweit unterrichten, lernen wir voneinander – inhaltlich und methodisch." Diese positive Erfahrung teilt Martin Talanow mit Daniela Grave, ihrerseits Biologie- und Chemielehrerin und die zweite Hälfte des Lehrerduos: "Hier im Unterricht bin ich ganz anders gefordert. Ich muss flexibler auf die Schüler und ihre Ideen reagieren und forsche buchstäblich mit ihnen mit."
Das Modell erweist sich im zweiten Jahr seit seiner Einführung als Erfolgsrezept. Und für das nächste Schuljahr haben bereits doppelt so viele Schüler wie bisher ihr Kreuz beim "vernetzten naturwissenschaftlichen Unterricht" gesetzt.

Eine der Schülerinnen, die bereits in diesem Jahr in den Genuss des Faches MINT gekommen ist, ist die 14-jährige Emma. Ihr aktuelles Projekt ist ein Destilliergerät, wie es zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert die berühmte Alchmistin Maria die Jüdin erfunden hatte. Ausgehend von einer Skizze und unterstützt von ihrer Lehrerin, hat Emma das Gerät nachgebaut. Die Schülerin ist ohnehin ein Fan der Naturwissenschaften, aber MINT trifft voll ihren Geschmack: "Hier macht der Unterricht noch viel mehr Spaß. Weil die Fächer nicht voneinander getrennt sind, sondern ineinander übergehen. Das macht ja auch mehr Sinn. Und in einem kleinen Kurs mit zwei Lehrern ist alles auch viel intensiver und trotzdem entspannter als im anderen Fachunterricht."

Kontakt und Information unter http://www.elg-halle.de

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