Kleine Klassen, gute Ausstattung: Technikunterricht braucht mehr Wertschätzung

energiewelten116 Werkbänke, 16 mal Werkzeug, 16 mal Material. Die Räume für den Technikunterricht geben genau vor, wie viele Schüler am Unterricht teilnehmen können. Ab 17 Schülern wird die Klasse geteilt. Das gebietet auch der Unfallschutz, der in den Regeln der Gesetzlichen Unfallversicherung GUV für das Arbeiten von Schülerinnen und Schülern mit Werkzeugen und Maschinen verankert ist. Eigentlich ganz einfach. Doch nun wurde der Ruf nach Einsparungen immer lauter. Bereits zum Schuljahr 2010/11 wurde der Klassenteiler zum Jahrgangsteiler umdefiniert und den Schulen empfohlen. Das heißt, die Gruppengröße von 16 wurde durch Teilung auf der Jahrgangsebene gebildet. Das war eine schulorganisatorische Herausforderung.

Die Techniklehrer werden aber immer knapper und auch die der Schule zugewiesenen Lehrerstunden. Die erste Konsequenz, die einige Schulen daraus ziehen, heißt, die Klassen nicht mehr zu trennen und mit großen Gruppen in den Fachräumen zu arbeiten. Weil das zu unbefriedigenden Ergebnissen führt, heißt die Lösung für manche: den Technikunterricht fast ausschließlich theoretisch zu gestalten. "Eine fatale Geschichte", nennt Volker Torgau, Lehrer an der Sekundarschule August Hermann Francke, diese Entwicklung. "Gerade für SekundarschülerInnen ist der Technikunterricht besonders wichtig. Sie erarbeiten sich hier ganz konkret etwas gegenständlich Brauchbares und haben dabei Erfolgserlebnisse. Und noch wichtiger ist, dass dadurch Kompetenzen für die spätere Berufstätigkeit vermittelt werden. Es geht um nichts Geringeres als gesellschaftliche Teilhabe." Aber wie sollen Lehrer einen anschaulichen und nachhaltigen Unterricht gestalten, wenn nicht jeder Schüler Hand anlegen kann und sie selbst keine adäquate Betreuung dieses praktischen Unterrichtsanteils gewährleisten können?

Nicht nur Sparzwänge, auch der große Mangel an Techniklehrern ist ein Problem. Eine mögliche Lösung besteht für Volker Torgau darin, Lehrer aus benachbarten Fächern, wie zum Beispiel Physik, oder auch technisch begabte KollegInnen für den Technikunterricht zu gewinnen. Gerade für die 5. und 6. Klassen wäre das ein lohnenswertes Modell. Dafür wünscht sich Volker Torgau einerseits eine fächerübergreifende Fortbildung, die Lehrer für den Technikunterricht fit macht. Und appelliert andererseits auch an die Eltern, sich für eine gute praktisch orientierte Allgemeinbildung ihrer Kinder stark zu machen.

Selbstkritisch betrachtet er jedoch auch die Rolle der Techniklehrer: "Der Praxisanteil ist oft zu gering, und damit entziehen wir uns selbst die Rechtfertigung für gute Rahmenbedingungen wie kleine Klassen und eine gute Ausstattung. Aber die brauchen wir, um interessanten und für die Schüler auch später nützlichen Unterricht zu machen."

 

 

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