Interesse wecken – was sagt die Theorie dazu?

Begeistert ist eine Person, die an einem Gegenstand oder einer Handlung lebhaftes Interesse hat. Interesse wird in der Psychologie als Verhaltens- oder Handlungstendenz (Disposition) definiert, die relativ überdauernd ist. Sie entwickelt sich in Abhängigkeit von konkreten Anregungen bzw. Gelegenheiten und wiederholten befriedigenden Handlungsausführungen. Interesse ist Ausdruck einer Personen-Gegenstands-Auseinandersetzung mit einem nichtpersonalen Gegenstandsbereich (Prenzel, Krapp & Schiefele 1986).

Interessen, die auf bestimmte Gegenstandsbereiche fokussiert sind, werden als spezifische oder fachliche Interessen bezeichnet. Technische Interessen entwickeln sich demnach aus einer Auseinandersetzung mit dem Gegenstandsbereich der Technik bzw. mit der Ausführung technischer Handlungen.
Das Interesse hat nach Schiefele (1983) eine kognitive, eine emotionale und eine Wertschätzungskomponente. Die kognitive Komponente umfasst das Handeln mit und das Wissen über den Gegenstand. Die emotionale Komponente lässt die Person die Handlung als positiv erleben. Die Wertschätzungskomponente sagt aus, dass die Person den Gegenstand ihres Interesses als herausgehoben gegenüber anderen Bereichen wertschätzt. Wichtiges Merkmal von Interesse ist also sein intrinsischer Charakter.

Die Bildungsforschung stimmt weitgehend darin überein, dass sich fachliche Interessen in einem langen Sozialisationsprozess bilden, in dem die unterschiedlichen Begabungen und Interessen durch Einflüsse des Elternhauses, der Schule, des gesellschaftlichen und sozialen Umfeldes und mit zunehmendem Alter auch durch die Peer-Group entwickelt und gefördert bzw. behindert werden. Bekannt ist auch, dass sich bis zum 11. Lebensjahr die Persönlichkeit prägend solche individuellen Interessen herausbilden, wie z.B. musische, künstlerisch-gestaltende, sportliche oder handwerklich-technische, die im weiteren Verlauf des Bildungsweges eher verstärkt als vernachlässigt werden.

In der Schule bleiben die Interessen weitgehend unberücksichtigt. Ihre geringe Beachtung wird mit dem Zwang, die curricularen Vorgaben zu erfüllen, erklärt. So haben Löwe 1997 und Krapp 1998 für den naturwissenschaftlichen Unterricht einen zunehmenden Interessenverfall im Laufe der Schulzeit festgestellt. Jedoch ist für die Entwicklung von Interessen die Qualität des intrinsischen Erlebens im Unterricht entscheidend, auch für die des Nichtinteresses. Aber Lernen aus Interesse lässt besonders nachhaltige Effekte erwarten.

Auch das haben fast alle Studien herausgefunden, die die Einflussfaktoren auf die Studienfachwahl untersucht haben:
Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen schulischen Interessen, individuellen Leistungsstärken, der Wahl von Leistungskursen und der Studienfachwahl (siehe HIS/ZIW 2006).

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